«Mit dem eigenen Land solidarisch zeigen»
E. SD-Nationalrat Bernhard Hess über die Armut in der Schweiz.

Bernhard Hess
Über Armut in der Schweiz spricht man leider selten und ungern. Und doch gibt es auch hierzulande persönliches Leid und finanzielle Not. Vielen Entscheidungsträgern in Politik und Gesellschaft ist gar nicht bewusst, dass es auch bei uns viele Menschen gibt, welche oft nicht wissen, wie sie mit ihrer Minimalrente oder ihrer Sozialhilfe die tägliche Nahrung, Kleidung und Hygieneartikel kaufen können und daneben noch die stetig steigenden Krankenkassenprämien bezahlen können. Alleinerziehende Mütter sind ebenso betroffen wie kinderreiche Familien und immer mehr Rentner müssen mit einer Minimal-AHV leben. Dazu gesellen sich die sogenannten «working poor», also Menschen, welche trotz regelmässigem Einkommen zu wenig Geld zum Leben haben. All diese Menschen fallen meist nicht auf, betteln nicht auf der Strasse und es gibt keine herzerweichenden Leidensbilder ihrer Kinder. Einen Monat nach dem verheerenden Erdbeben auf Haiti hat die Bevölkerung in der Schweiz über 51Millionen Franken für die Betroffenen gespendet. Es freut mich, dass es plötzlich so viele gutherzige Menschen gibt, die bereit sind, auch für Menschen in Not, selbst wenn diese am anderen Ende des Erdballs leben, namhafte Geldbeträge zu spenden. Doch wo bleibt die Solidarität mit Bedürftigen in unserem Land? Wo bleiben die Promis und Politiker, die sonst keinen medienwirksamen Auftritt auslassen, um für die eigenen Landsleute einzutreten? Offensichtlich gilt als edel, sich für das Leid in der Dritten Welt zu kümmern. Gerecht wäre es aber auch, wenn wir uns auch im eigenen Land mit dem eigenen Volk solidarisch zeigten!
Veröffentlicht: 22. Februar 2010 unter Familie, Kultur.

